Rezension zu Gerda Riedl, Der Unterschied. Was Christen ausmacht
Sankt Ulrich Verlag GmbH Augsburg, 2004, 122 S.
Von Reinhard Dörner
Wer inhaltlich etwas vermitteln möchte,
braucht dazu (eine bestimmte) Sprache. Riedl verwendet - um in
der Gender-Sprache ihres Buches zu bleiben - als Epigonin die
sattsam bekannte theologische Neu-Sprach, beschränkt
sich auf formelhaftes Sprechen, das auf Rahner und andere zurückgeht.
Es zeichnet sich aus durch Wortgeklingel, nicht enden wollendes
Wiederholen von Floskeln wie (vorgängigen) Zu- und
Anspruch, Fährnis und Widerfahrnis,
Christin(nen) und Christ(en), Bleiben
im Hier und Heute, Bleiben im Dort und Dann.
Auch Neologismen bleiben da nicht aus, z.B. anleben.
Dass dabei manchmal eine Gender-Formel auf der Strecke bleibt, z.B.
bei Aufzählungen wie Juden und Christen - gibt es keine Jüdinnen?
-, scheint im Getümmel der Gender-Verpflichtung verloren oder
großzügig übergangen zu sein.
Riedl nimmt die Leser(innen) auf eine Glaubensreise
mit. Doch diese Reise endet im Land Nirgendwo. Die
Autorin zitiert zwar immer wieder - wissenschaftlich exakt! -
Bibel, Katechismus, kirchliche Lehrentscheidungen, aber die von
ihr empfohlenen Dokumente des II. Vatikanums fehlen weitgehend.
Auf der Basis der drei erstgenannten Bezüge ist sie lehramtstreu.
Aber ihre Auslegung bzw. ihr Umgang mit den Zitaten lässt
eine andere Einstellung erkennen, wie auch schon bei Rahner.
Ausgerechnet unter dem Stichwort Beten nennt sie
Jesus wiederholt den Mann aus Nazareth, verständlich,
denn sie lässt Jesus selbst beten: Vater unser. Dass
dem Gebet die Aufforderung Jesu vorausgeht: Wenn ihr
betet, dann sprecht..., wird nicht erwähnt. Desgleichen
verkürzt sie Schuldenvergebung und Abendmahlsfeier zu
Symbolhandlungen Jesu. Auch das ist nicht verwunderlich,
empfiehlt sie doch auf der Seite vorher Wolfgang Beinerts Glaubenszugänge.
Lehrbuch der katholischen Dogmatik, dem sie sich damit
anschließt. Bezüglich des Glaubensbekenntnisses zitiert sie
Tertullian: Die Richtlinie des Glaubens ist überall die
gleiche, als einzige der Veränderung und Verbesserung unfähig...
Hätte sie sich dieser Richtlinie gebeugt, dann wäre
keine Glaubensreise aus ihrem Buch geworden, sondern
eine dem Glauben entsprechende Katechese, die diesen Glauben ermöglicht.
Nach ihrer Version aber erzählen
Glaubensbekenntnisse vor allem vom Zuspruch Gottes. -
Wirklich nur das?
Zu sachgerechter Information gehört auch,
dass die einzelnen Buchstaben des Fisch-Akrostichons Ichthys im
dritten Buchstaben den Genitiv bezeichnen: Theou, nicht den
Nominativ. Rätselhaft bleibt ihr Ausdruck Viel-Einheit.
Nach katholischer Lehre kann es Vielfalt nur in der Einheit
geben; denn Einheit in Vielfalt ist ein Widerspruch in sich. Der
lateinische Begriff Communio ist jedenfalls mit
Viel-Einheit nicht korrekt übersetzt, was jemand,
der angeblich Latein studiert hat, wissen müsste. Einen merkwürdigen
Gegensatz sieht die Autorin zwischen der Freiheit der
Kinder Gottes und der Verpflichtung der Christen zur
Einhaltung der Gebote Gottes. Ist es nicht durchgehend kirchliche
Lehre, dass die Einhaltung der Gebote zur wahren Gotteskindschaft
befreit? Das Zitieren von Bibelstellen allein rückt noch nicht
die Offenbarung Gottes in den Vordergrund. Und wenn man Gott nur
als den darstellt, der seinerseits auf der Reise zum Menschen
ist, welchen Anspruch kann man damit begründen? Ein
Reisender muss auch ankommen dürfen, sonst verläuft seine Reise
ins Leere! Das Buch bietet an: Brücken schlagen. Es
bekennt: Glaubensinhalte werden ignoriert, Glaubenswissen
vergeht, aber die (Selbst-) Vertrauenskrise bleibt. Hat
Christus nun gesagt: Das Reich Gottes ist nah. Kehrt um und
glaubt an das Evangelium oder Vertraut euch selbst?
Wenn das Weiheamt für Frauen ausdrücklich als Problemstau
deklariert wird, dann erkennt der Leser/die Leserin spätestens
hier, wo die Autorin der Schuh drückt. Wenn Christus
den Erwerb des Reiches Gottes an das Leben nach den Geboten
Gottes gebunden hat, dann braucht niemand aufzubrechen zu einem
Wettstreit - heraus zum Aufbruch ins Ungewisse der eigenen
Glaubensreise; denn: Wer glaubt und sich taufen lässt,
wird gerettet werden ...
Wer das Buch gelesen hat, hat keinen Gewinn, wer es nicht liest, dem entgeht nichts. Das ist schade für den Verlag, der in der Vergangenheit Hervorragendes angeboten hat. Die habilitierte Theologin ist mit diesem Buch keine Empfehlung für eine Beauftragung als ordentliche Professorin.