40 Jahre „Theologisches“. Editorial
MANFRED HAUKE
Die Zeitschrift „Theologisches“ begeht in diesem Jahr ihr 40jähriges Jubiläum.
Ihr Ursprung liegt in dem festen Willen katholischer Priester und Laien, inmitten der nachkonziliaren Glaubenskrise die Treue
zur überlieferten Lehre der Kirche zu fördern . In einer Zeit der Krise ist es lebensnotwendig, den Glauben zu verteidigen und
zu vertiefen. Der Gründer unserer Zeitschrift, der aus dem Bistum Paderborn stammende Pfarrer Wilhelm Schamoni (1905-1991),
wußte sich bei diesem Bemühen verankert im Mut machenden Glaubenszeugnis der Heiligen, deren Lebensgeschichte und Wunder er
einer breiten Leserschaft bekannt machte. Auf sein zehnjähriges Wirken als Schriftleiter (1970-1980) folgte der Moraltheologe
Monsignore Prof. Dr. Johannes Bökmann, der achtzehn Jahre lang (1980-1998) für die Zeitschrift verantwortlich war. In seine Zeit
fällt die Trennung der Zeitschrift von der „Offerten-Zeitung für die katholische Geistlichkeit Deutschlands“, der „Theologisches“
gratis beigelegt wurde und über die Pfarrämter fast den gesamten Klerus erreichte. Seit 1993 ist unsere Zeitschrift selbständig;
sie wird nicht nur von Priestern gelesen, sondern auch von vielen engagierten Laien. Nach Prof. Bökmann war Monsignore Ulrich-Paul
Lange Schriftleiter (1998-2003) sowie der Laientheologe und Religionslehrer Dr. Dr. David Berger (2003-2010), der im April von
seinem Amt zurücktrat. Die neuen Verantwortlichen für die Zeitschrift Die Mitgliederversammlung der Fördergemeinschaft „Theologisches“ vom 2. Juni bestimmte den Unterzeichneten zum Herausgeber und Prof.
Dr. Johannes Stöhr zum verantwortlichen Redakteur im Sinne des Pressegesetzes von Nordrhein-Westfalen. Diese Lösung gilt nur bis auf
Weiteres, da es auf längere Sicht hin wünschenswert ist, die Aufgaben von Herausgeber und Redakteur in einer einzigen Person zu verbinden.
Diese Person suchen wir noch. Prof. Stöhr ist schon seit langen Jahren Mitglied der Fördergemeinschaft, während ich selbst nach dem Tod
von Leo Kardinal Scheffczyk (8.12.2005) dazu gebeten wurde und im Herbst 2007 die Aufgabe des Vorsitzenden übernommen habe .
Trotz meiner vielfältigen Aufgaben habe ich mich vorerst für die Tätigkeit als Herausgeber bereit erklärt, weil die Zeitschrift „Theologisches“
eine wichtige Sendung zu erfüllen hat in der Profilierung des Katholischen gegenüber der fast allüberall dominierenden „Diktatur des
Relativismus“ (Benedikt XVI.). Prof. Stöhr hat eine langjährige Erfahrung als Professor für Dogmatik sowie als Verfasser zahlreicher
Publikationen. Gründe für den Wechsel Die Zeitschrift „Theologisches“ feiert ihr 40jähriges Jubiläum trotz einer schwierigen Situation in der Kirche. Die Krise des Glaubens und
der Moral bekundet sich leider auch in den Umständen des persönlichen Lebens von Dr. Berger, die zu seinem Rücktritt geführt haben. Unsere
Presseerklärung vom 13. April, die wir als nächsten Beitrag abdrucken, geht darauf ein. Die Affinität Bergers zu einem homosexuellen Milieu
war den Mitgliedern der Fördergemeinschaft bei seiner Berufung als Herausgeber der Zeitschrift im Jahre 2003 nicht bekannt. In der
„Frankfurter Rundschau“ (22. April) behauptete er hingegen, „die wichtigsten Entscheider und Autoren der Zeitschrift“ („Theologisches“)
hätten schon bei seiner Ernennung als Herausgeber von seiner Situation gewußt. Diese Behauptung weist die Fördergemeinschaft energisch zurück.
In seinem Artikel in der „Frankfurter Rundschau“ verlangt Berger von der Kirche, ihre „Bewertung der Homosexualität“ „komplett zu ändern“ .
Noch 2009 hatte er vor drei Mitgliedern der Fördergemeinschaft betont, dass er mit der offiziellen Lehre der Kirche zur Homosexualität
voll übereinstimme. Natürlich wollen wir keine „Diskriminierung“ im Sinne einer ungerechten Benachteiligung von Menschen, die homophil
empfinden. Wohl aber geht es um die entschiedene Stellungnahme gegen das Liebäugeln mit einem homosexuellen Milieu und um eine Verteidigung
des sechsten Gebotes, das nach der biblischen und kirchlichen Deutung auch von homosexuell empfindenden Menschen die Keuschheit verlangt.
Bergers Äußerungen in der „Frankfurter Rundschau“ hingegen erwecken den Eindruck einer Rechtfertigung homosexuellen Verhaltens, das von der
Heiligen Schrift, der Überlieferung der Kirche und deren Lehramt stets als schwer sündhaft zurückwiesen worden ist. Eine Bemäntelung der Sünde
können wir nicht unterstützen und begrüßen darum den Rücktritt des ehemaligen Herausgebers, der einer Trennung von unserer Seite aus nur
zeitlich zuvorgekommen ist. Dr. Berger hat zweifellos seine Verdienste für das Studium des Thomismus und auch für unsere Zeitschrift, wofür
wir ihm danken. Durch sein Verhalten hat er freilich unser Vertrauen mißbraucht. Da die in Bergers Gang an die Öffentlichkeit ansichtige
Verirrung leider für manche theologischen Milieus im deutschen Sprachraum nicht untypisch ist, haben wir für die vorliegende Ausgabe einen
grundsätzlichen Beitrag zum Thema der Homosexualität erbeten. Der Verfasser, P. Dr. Peter Mettler, ist bereits hervorgetreten durch eine
Doktorarbeit zur Frage, ob homosexuelle Kandidaten zu Priestern geweiht werden dürfen. Das fünfjährige Papstjubiläum von Benedikt XVI.
Weitere Beiträge
Neben den beiden „großen“ Themen unseres Jubiläumsheftes, dem 40jährigen Jahrestag von „Theologisches“ und dem dankbaren Rückblick auf fünf Jahre des Pontifikates von Papst Benedikt, werden auch weitere Gesichtspunkte den interessierten Lesern vorgeschlagen. Der Beitrag des langjährigen Mitgliedes unserer Fördergemeinschaft, des Professors für Philosophie Walter Hoeres, stellt sich die Frage, woher denn der Haß auf die Kirche stammt, den wir in den letzten Monaten bis zum Überdruß in den deutschsprachigen Massenmedien erleben mußten. Der Beitrag eines engagierten Laien, des Juristen Norbert Otterbeck, legt einige pointierte kritische Gedanken vor über die Plagen, die heute die Seelsorge heimsuchen. Matthias Vonarburg, Promovent in Philosophie, würdigt die Bedeutung der Seele in der Aristotelesrezeption des hl. Thomas von Aquin. Dabei wird die Gleichgestimmtheit mit dem Werk Joseph Ratzingers über die Eschatologie deutlich, worin die spezifisch christliche Bedeutung der Seele gegenüber einer „seelenlosen“ Theologie, Pastoral und Liturgie zur Geltung kommt.Perspektiven der Zukunft
Am Schluß unseres Heftes weise ich selbst auf einige Zukunftsperspektiven des Glaubens in Europa, die mit der Weihe an die Gottesmutter verbunden sein können. Die Kirche in großen Teilen Europas ist zutiefst krank. Man könnte fast sagen: die Kirche hat in vielen ihrer Glieder eine geistige Immunschwäche gegenüber den Giftstoffen des moralischen Verfalls und der Aufweichung ihres Glaubens. Christus der Herr ist freilich auch heute in seiner Kirche gegenwärtig und kann uns auf die Fürsprache Mariens im Heiligen Geist einen neuen Aufbruch schenken. Auch für Deutschland gibt es aus dem Mund von Schwester Lucia, der Seherin von Fatima, einige Lichter für die Zukunft, die zu betrachten sich lohnt.